Hauptreferate 2014

Hauptreferate 2017

01.04 | Eröffnungsvortrag: New Directions In Gifted Education: Reexamining The Expansion of Talent Development Programs

Donnerstag, 4.9.2014 19.00 ‒20.00 Uhr

Prof. Dr. Sally M. Reis ‒ Vice Provost, Board of Trustees Distinguished Professor and Teaching Fellow, University of Connecticut, USA
Mehr zu Prof. Dr. Sally M. Reis

Prof. Dr. Joseph S. Renzulli ‒ Renzulli Center for Creativity, Gifted Education, and Talent Development, University of Connecticut, USA
Mehr zu Prof. Dr. Joseph S. Renzulli

02.02 | Keynote: Alltagsförderung Begabter – das Aktiotopmodell in praktischer Umsetzung

Freitag, 5.9.2014 9.15 ‒10.15 Uhr

Prof. Drs. Albert Ziegler ‒ Professor für Pädagogische Psychologie, Universität Erlangen-Nürnberg
Mehr zu Prof. Drs. Albert Ziegler

Meta-Analysen weisen die Fördereffekte traditioneller Begabungsförderung wie Enrichments, Akzeleration oder Pullout-Programme als gering bis allenfalls moderat aus. Systemische Ansätze erklären diese unbefriedigenden pädagogischen Erträge dadurch, dass Begabungsförderung nicht nur die Person, sondern gleichberechtigt deren a) (soziale) Lernumwelt und b) ihre Interaktionen mit dieser (sozialen) Lernumwelt berücksichtigen muss. Sie muss ko-evolutionär weiterentwickelt werden.

Als konzeptueller Bezugsrahmen einer systemischen Begabungsförderung wird im Vortrag das Aktiotop-Modell vorgestellt. Definitionsgemäss umfasst ein Aktiotop die Person und ihre individuelle materielle, soziale und informationelle Umwelt, mit der sie handelnd interagiert. Systemische Begabungsförderung wird also verstanden als die gezielte Weiterentwicklung von individuellen Aktiotopen. Damit dies gelingen kann, muss Begabungsförderung zwar hoch individuell erfolgen, doch gilt es, verschiedene Grundvoraussetzungen und Rahmenbedingungen zu beachten.

Im Vortrag wird gezeigt, welche situativen Bedingungen eine effektive Begabungsförderung verlangt. Dabei werden entwicklungsförderliche und entwicklungshemmende Alltagswelten unterschieden (z. B. lern- und infrastrukturelle vs. konkurrierende und antagonistische Soziotope). Ferner werden die notwendigen individuellen und Umweltressourcen dargestellt, die für die Entfaltung von Begabungen notwendig sind. Veranschaulicht werden die Ausführungen anhand aktueller empirischer Studien mit hochleistenden und begabten Schülern und Schülerinnen.

P0.1 | Parallelvortrag 1: Strategien selbstregulierten Lernens für begabte Underachiever

Freitag, 5.9.2014 10.45 ‒11.45 Uhr

Prof. Dr. Christian Fischer ‒ Professor für Erziehungswissenschaft, Universität Münster/Internationales Centrum für Begabungsforschung
Mehr zu Prof. Dr. Christian Fischer

In der Begabungs- und Begabtenförderung gewinnen insbesondere im schulischen Kontext spezielle Formen des selbstregulierten und forschenden Lernens an Bedeutung. Die erfolgreiche Umsetzung setzt passende Strategien des selbstregulierten und forschenden Lernens voraus, wobei vor allem begabte Underachiever besondere Förderbedarfe aufweisen. Hierbei ist der Erwerb kognitiver und metakognitiver Strategien sowie motivational-volitionaler Strategien relevant, die eine adaptive Lernbegleitung in passenden Lernarrangements erfordern. Dazu bedarf es einer adäquaten Qualifizierung von Lehrpersonen, wobei fachliche, diagnostische, didaktische und kommunikative Kompetenzen erforderlich sind.

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurden entsprechende Enrichment- und Professionalisierungsprojekte zur Schüler/-innenförderung und Lehrer/-innenbildung am Internationalen Centrum für Begabungsforschung entwickelt und evaluiert. Die Befunde zu adaptiven Enrichmentprojekten (z. B. Förder-Förder-Projekt – FFP) belegen bedeutsame Effekte bei der Strategie- und Expertiseentwicklung begabter Schülerinnen und Schüler sowie für die Intervention und Prävention bei Underachievement. Die Resultate zeigen deutliche Qualifizierungseffekte hinsichtlich der Kompetenzentwicklung der teilnehmenden Lehrpersonen und der Schulentwicklung der beteiligten Institutionen.

P0.2 | Parallelvortrag 2: Begabungsgerechtigkeit zwischen Inklusion und Separation

Freitag, 5.9.2014 10.45 ‒11.45 Uhr

Studiensaal A

Prof. Dr. Gabriele Weigand ‒ Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft und Leiterin des Instituts für Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft, Pädagogischen Hochschule Karlsruhe
Mehr zu Prof. Dr. Gabriele Weigand

Im aktuellen Diskurs um adäquate Begabungs- und Begabtenförderung werden verstärkt Fragen der Begabungsgerechtigkeit sowie des inklusiven versus separativen Unterrichts thematisiert. Dabei wird die Inklusionsthematik  weithin als sonderpädagogische Fragestellung konturiert bzw. hierauf verengt. Wissensentwicklungen und institutionelle Diskriminierung, aber auch Fragen der personalen und institutionellen Gerechtigkeit bleiben vielfach ausser Acht – ungeachtet ihrer Anschlussfähigkeit an anthropologisch-bildungstheoretische Diskurse sowie der theoretischen und konzeptionellen Entwicklungen einer Pädagogik der Differenz und Vielfalt. Vor diesem Hintergrund sollen im Vortrag unter Bezug auf ein eigenes Forschungsprojekt in Klassen und Schulen für  Hochbegabte und aus der Perspektive einer personalen Anthropologie und Bildungstheorie nach Ausgangspunkten zur Entwicklung eines inklusiven Begabungsmodells gefragt sowie Überlegungen zu Begabungsgerechtigkeit angestellt werden.

P0.3 | Parallelvortrag 3: Ressourcen und Begabungen – vom Beobachten und Bewerten zum Unterstützen

Freitag, 5.9.2014 10.45 ‒11.45 Uhr

Studiensaal B

Dr. Letizia Gauck ‒ Leiterin des Zentrums für Entwicklungs- und Persönlichkeitsdiagnostik (ZEPD), Universität Basel
Mehr zu Dr. Letizia Gauck

Im günstigen Fall machen begabte Kinder im Unterricht die Erfahrung, dass die Lehrpersonen ihre Bedürfnisse erkennen und berücksichtigen. Anhand herausfordernder Aufgaben lernen sie sich anzustrengen; der Stolz über die gemeisterte Aufgabe verleiht der Motivation Flügel und gibt den Kindern das für eine gesunde Entwicklung wichtige Gefühl, selbst etwas bewirken zu können. Kommt es nicht zu einer passenden Förderung, kann die Unterforderung langfristig zu Verhaltensauffälligkeiten und Minderleistung führen. Wie können wir diese minderleistenden Kinder erkennen? Wie können wir ein aufgrund Unterforderung auffälliges Verhalten unterscheiden von Anzeichen psychischer Störungen wie zum Beispiel Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen? Und wie kann die Diagnostik eine hilfreiche Grundlage für eine ganzheitliche Förderung sein?

02.06 | Keynote: Hochbegabte und Lernstrategien – ein wichtiger Baustein professioneller Begabungsförderung

Freitag, 5.9.2014 16.30 ‒17.30 Uhr

Prof. Dr. Heidrun Stöger ‒ Professorin für Schulpädagogik, Universität Regensburg
Mehr zu Prof. Dr. Heidrun Stöger

Häufig wird davon ausgegangen, Hochbegabte würden – am liebsten unabhängig von anderen – besonders leicht und sehr schnell lernen. Sollte dies tatsächlich zutreffen, würde der Vermittlung von Lernstrategien im Rahmen der Begabtenförderung nur eine untergeordnete Rolle zukommen. Dieser Auffassung wird im Vortrag widersprochen. Allerdings lässt sich der Forschungsstand keineswegs auf ein simples «Lernstrategien sind auch für Hochbegabte wichtig» reduzieren.

Zunächst wird anhand eigener empirischer Studien der Frage nachgegangen, was das Lernverhalten hochbegabter Schülerinnen und Schüler charakterisiert und welche Lernpräferenzen sie aufweisen. Dabei stehen Befunde im Mittelpunkt, die zeigen, wie sich der Einsatz bestimmter Lernstrategien und unterschiedlicher Lernpräferenzen (z. B. selbstreguliertes vs. external durch Eltern oder Lehrkräfte reguliertes vs. impulsives Lernen) auf die Leistungen, die Motivation und das emotionale Erleben auswirken. Einige Ergebnisse widersprechen durchaus der Alltagsintuition. Es wird deshalb ausgeführt, unter welchen Bedingungen die Vermittlung bestimmter Lernstrategien und Lernpräferenzen im Laufe der Lernkarriere sinnvoll erscheint. Abschliessend werden speziell im Hinblick auf den Schulunterricht Möglichkeiten präsentiert, wie Lernstrategien und geeignete Lernpräferenzen von Lehrkräften vermittelt werden können und unter welchen Bedingungen und bei welchen Schülerinnen und Schülern diese Fördermöglichkeiten besonders erfolgreich sind.

P4.4 | Parallelvortrag 4: Begabtenförderung aus der Sicht der Hirnforschung

Samstag, 6.9.2014 9.00 ‒9.45 Uhr

Studiensaal B

Dr. Dominik Gyseler ‒ Dozent, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) Zürich
Mehr zu Dr. Dominik Gyseler

Was ist das Besondere am Gehirn hochbegabter Menschen? Mit der Antwort auf diese Frage erhoffen sich Lehrpersonen, Eltern, aber auch Forschende klare Hinweise darauf, wie die Begabtenförderung zu gestalten sei. Heute weiss man aus der Hirnforschung nicht nur, dass Hochbegabte beim Problemlösen eine Form von neuronaler Effizienz auszeichnet, sondern man hat darüber hinaus weitere wertvolle Puzzlestücke gewonnen. So hat man zum Beispiel herausgefunden, weshalb bei Hochbegabten häufig das Problem besteht, dass sie sich nicht rechtzeitig Lernstrategien angeeignet haben, und wie stark die betroffenen Kinder und Jugendlichen und deren Lehrkräfte später «gegen» die natürliche Hirnentwicklung  ankämpfen müssen, um dies nachzuholen. Auch kann man jetzt neurowissenschaftlich unterfüttern, wie wichtig die Pausen unmittelbar nach einer Lernsequenz für den Lernerfolg sind – auch wie diese Pausen genau gestaltet sein sollten. Und erst kürzlich konnte gezeigt werden, welche Rolle das limbische System, also das Emotionszentrum im Gehirn, bei der Entstehung des Leidensdrucks bei hochbegabten Minderleistenden spielt – und was man tun kann, um diesen Leidensdruck in einer guten Art und Weise zu kontrollieren und zu vermindern. Zusammengesetzt ergeben diese und andere Befunde ein interessantes Bild einer effizienten Begabtenförderung.

P4.5 | Parallelvortrag 5: Integrative Begabungsförderung in differenzierenden Lernarrangements

Samstag, 6.9.2014 9.00 ‒9.45 Uhr

Studiensaal A

Prof. Victor Müller-Oppliger ‒ Professor für Pädagogische Psychologie und Didaktik, Leiter MAS Integrative Begabungs- und Begabtenförderung IBBF, Pädagogische Hochschule FHNW
Mehr zu Prof. Victor Müller-Oppliger

Hochleistungsverhalten entwickelt sich in Wechselwirkung individueller Potenziale mit gelingenden Lernprozessen. Die Begabungsförderung hat ihren Fokus deshalb von der einseitigen Fixierung auf genuin hochbegabte Kinder und Jugendliche zu einer systemischen Betrachtungsweise verlagert, wie Begabungspotenziale in der Schule erkannt und verwirklicht werden können. Dabei ist die Umsetzung von Begabungen ebenso vom Willen der Betroffenen, deren Motivation, Einstellungen zur Leistung und dem Erkennen von Sinn abhängig wie von der Stimulanz des Unterrichts und der Bildungsumgebung.

Im Referat wird ein integratives Modell der Begabungsförderung vorgestellt, das als Choreographie des Lernens klasseninterne und klassen-/schulübergreifende Begabungsförderung zueinander in Ergänzung setzt. Differenzierende Lernarchitekturen für heterogene Lerngruppen, die selbstgesteuertes Lernen mit kooperativen Lernformen kombinieren, nehmen darin eine wichtige Position ein. Neben Fachlichem geht es um den Aufbau co-kognitiver Einstellungen und eines positiven Selbstbewusstseins im Umgang mit den eigenen Fähigkeiten. Dies erfordert eine professionelle Lernbegleitung der Einzelnen, aber auch eine wirksame Anerkennungskultur für individuelle (Hoch-)Leistungen.

Lernarchitekturen, Mentoring und über normative Vergleiche hinausreichende neue Formen der Leistungsbewertung orientieren sich an förderdiagnostischen Prinzipien. Sie berücksichtigen individuelle Möglichkeiten der Lernenden. Die Schule wird so zum Modell einer Gesellschaft, in der unterschiedliche Begabungen als Normalität und die Fähigkeit zur Hochleistung als Chance für die Einzelnen und als soziales Kapital wahrgenommen werden.

03.01 | Keynote: Mythen der Begabungs- und Begabtenförderung

Samstag, 6.9.2014 11.00 ‒11.45 Uhr

Prof. Dr. Margrit Stamm ‒ Swiss Institute for Educational Issues, Professorin em. Universität Fribourg,
Mehr zu Prof. Dr. Margrit Stamm

Das Referat stellt fünf Mythen und Gegenmythen zur Diskussion, die zum Fundament vieler Begabten-und Begabungsförderprogramme gehören und konfrontiert sie mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und kulturellen Herausforderungen. Es sind dies: (1) Begabtenförderung und die Erhöhung der Chancengleichheit; (2) Die Frage, ob Begabung gelernt werden und (3) ob sie etwas allgemein Messbares ist; (4) Inwiefern Begabungstests Aussagen zum Schul- und Lebenserfolg machen können sowie (5) ob Testverfahren zu oft eingesetzt werden.